Seth Carico als D-503 in: Sarah Nemtsov „We (WIR)“, Bildrechte: Thomas M. Jauk

Opernwelt Jahrbuch 2026
Umfrage Saison 2025/26
Antworten Richard Lorber

Herausragende Gesamtleistung eines Musiktheaters
Oper Frankfurt mit erneut sehr vielen Premieren in interessanten Regiehandschriften und einer guten Mischung aus klassisch-romantischem Repertoire, Barock und Moderne. Hervorragendes Ensemble.

Bedeutende Sänger/-innenleistung
Sonja Runje. Die Mezzosopranistin glänzt in vielen Barockopern-Produktionen mit ihrem dunklen, vollen Timbre, ihrer Virtuosität und ihrer stilistischen Perfektion. Michael Spyres als Stolzing und Siegmund bei den Bayreuther Festspielen.

Herausragende Regie
Wim Vandekeybus mit „Carmen“ in Antwerpen. Ein Produktion zwischen modernem Tanztheater und radikal umdeutender Opernregie. Mit den Mitteln des modernen Tanzes wird trotzdem eine plausibel Geschichte erzählt, die Archaik, Mystik und Animalisches in den Mittelpunkt rückt.

Herausragendes Dirigat
Andrés Oroczco-Estrada als neuer Chef des Gürzenich-Orchesters an der Oper Köln, dessen Aufführungen sich regelmäßig durch dramatische Intelligenz auszeichen, z. B. in Puccinis „Manon Lescaut“, wo man die Szene an vielen Stellen als regelrechtes Hörtheater erleben konnte.

Uraufführung der Saison
WE (WIR)“ von Sarah Nemtsov an der Oper Dortmund. Nemtsov bringt den dystopischen Roman von Jewgeni Samjatin in eine nachvollziehbare Opernhandlung und schafft dazu Orchesterklänge von hohem Eigenwert.

Aufführung der Saison
“Götterdämmerung“ mit dem Dirigenten Kent Nagano. Obwohl nur konzertant, ein bedeutsamer Abschluss des Wagner-Projekts in Historischer Aufführungspraxis mit Concerto Köln und dem Dresdner Festspielorchester.

Wiederentdeckung der Saison
Peter Ronnefeld, „Die Ameise“ an der Oper Bonn. Ein temporeiches, klanggewaltiges Stück über den Mord eines Gesangslehrers an seiner Schülerin. Die Oper des 1965 früh verstorbenen Komponisten hat Repertoirequalitäten.

Herausragende Raumgestaltun
Der Regisseur Ulrich Rasche hat für Donizettis „Maria Stuarda“ bei den Salzburger Festspielen auch das Bühnenbild geschaffen. Zwei rotierenden Scheiben zwingen die Protagonisten in eine permanente Bewegung wie in eine nicht abzuschüttelnde Last.

Herausragendes Kostümbild
Mona Ulrich in „Das Rheingold“ an der Oper Köln. Die Götter stecken in grellfarbenen, lustigen Kostümen, Wotan mit Karnevalsrittermantel, Freia als Girlie und Fricka mit Pappkorne und langem Zopf.

Nachwuchskünstler/in der Saison
Der junge Wuppertaler Kapellmeister Yorgos Ziavras kann Avantgarde-Musik genauso wie Alte Musik und war auch der Dirigent bei der Wiederentdeckung der Oper „The Lodger“ von Phyllis Tate.

Herausragende Gesamtleistung eines Orchesters
Das Gürzenich-Orchester Köln, wie es all die Jahre souverän und unerschrocken mit den akustisch prekären Gegebenheiten in der Interimsspielstätte im Kölner Staatenhaus umgegangen ist.

Herausragende Gesamtleistung eines Chors
Der Frankfurter Opernchor, speziell die Chorherren in Rossinis „Tancredi“ nicht nur wegen des Gesangs sondern auch wegen der schaupielerischen Präsenz.

Ungewöhnlichste Opernerfahrung der Saison
Auf der Urlaubsinsel Teneriffa gibt es ein Opernhaus, das in der ersten Liga der spanischen Musiktheater spielt. Dort hat man zu Beginn der Spielzeit die selten gespielte Lorca-Oper „Yerma“ des Brasilianers Heiter Villa-Lobos aus der Taufe gehoben.

Wichtigstes Musik- / Opernbuch
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Bedeutendste CD- oder DVD-Veröffentlichung (nur Oper oder Vokal-Recital)
Jake Heggie, „Intelligence“. Eine exzellente Live-Aufnahme von Heggies Spionage-Oper aus dem amerikanischen Bürgerkrieg, die auf ein Psychodrama zwischen der Sklavin Mary Jane und ihrer Patronin Elizabeth zuläuft. (Houston Grand Opera)