Domkapellmeister Alexander Niehues, Bildrechte: Richard Lorber

26.06.2026 – Antrittskonzert des neuen Domkapellmeisters Alexander Niehues

Opernkomponisten im Kölner Dom

Eine lange Schlange am Kölner Dom, die sich vom Hauptportal bis in die Trankgasse windete, eine der letzten Gelegenheiten kostenlos in den Dom zu kommen, bevor es ab 1. Juli 12 Euro kostet! Die Leute wollten am Donnerstag natürlich nicht nur das Richter-Fenster sehen, die gewaltigen Dimensionen des Langhauses erleben oder den Chorumgang beim Dreikönigsschrein. Es ging um das Antrittskonzert des neuen Domkapellmeisters Alexander Niehues, Nachfolger von Eberhard Metternich, der im September 2025 nach 40 Jahren in den Ruhestand gegangen war.

Bei seinem Einstand brachte Niehues die gesamte Kölner Dommusik zum Einsatz, ein eindrucksvolles Bild, wenn die vier Chöre sich im Altarraum aufstellen und davor noch das Gürzenich-Orchester Platz genommen hat. Die vier Chöre, das sind der Kölner Domchor, nämlich ein Männerchor mit Knabenstimmen, dann der Mädchenchor am Kölner Dom, die Domkantorei, das ist ein gemischter Chor aus Amateuren, und das Vokalensemble Kölner Dom, das sich auf anspruchsvolle A-cappella-Chormusik spezialisiert hat, hier aber mit den anderen ein 160-köpfiges Ensemble bildete, bei Puccinis Messa di Gloria zunächst noch ohne die Knabenstimmen, die sich erst beim zweiten Stück, Bizets Te Deum, dazu gesellten.

Für den Einstand eines Kölner Domkapellmeisters war es ein ungewöhnliches Programm mit geistlichen Jugendwerken zweier Opernkomponisten aus Italien und Frankreich. Keine deutsche Romantik von Mendelssohn, kein Barock von Bach, keine Musik von Ferdinand Hiller, dem langjährigen Kölner Musikdirektor im 19. Jahrhundert, oder von dem nach Offenbach bekanntesten Kölner Komponisten Max Bruch, Willi Ostermann einmal ausgenommen.

Alexander Niehues (*1983) stammt aus Mainz und ist von Haus aus Organist. Schon während des Studiums war er Stellvertreter des Domorganisten in Mainz und Vertretungsorganist am Freiburger Münster. Dann wirkte er als Bezirkskantor in Mannheim und kam 2020 nach Düsseldorf an die Basilika St. Lambertus. Außerdem ist er bis heute künstlerischer Leiter des Bachvereins Düsseldorf.

Puccinis Messa di Gloria ist durchaus anspruchsvolle Chormusik, weil es ein vielgestaltiges und kleingliedriges Werk ist, bei dem sich der Chorsatz ständig ändert. Das Kyrie beginnt mit einem langen lyrischen Vorspiel, in das sich die Stimmen behutsam einfügen müssen, nicht zu kräftig, aber doch mit einem runden Klang. Das Gloria beginnt mit einem hochvirtuosen Jauchzen. Dazu schmettert und tost es im Orchester. Bei „Et in terra pax“, einem Satz im Piano mit Streichern in tiefer Lage, spürte man einen zögerlichen, fragenden Gestus, als ob hier auf die Weltlage zweifelnd Bezug genommen werden sollte. Beim „Gratias agimus tibi“ kam zum ersten Mal der Tenor Andrés Sulbarán zum Einsatz, der diese Nummer wie eine schmachtende Opernarie gestaltete. Und so ging es weiter mit dem ausladenden Gloria, das der Messe ihren Beinamen gab. Das Credo ist schon relativ kompakt, und Sanctus mit einem schönen Baritonsolo von Anton Beliaev und auch das Agnus Dei sind ganz kurz. Alexander Niehues wählte wahrscheinlich aufgrund der sehr halligen Akustik im Dom vergleichsweise langsame Tempi. Ihm kam es vor allem darauf an, die Chor-Klänge plastisch zu schichten, mal im Fugato, mal choralartig mit Orchesterfanfaren in den Posaunen wie im „Quoniam tu solus sanctus“, mal als zartes A-cappella.

Mit seinem Te Deum wollte der knapp zwanzigjährig Georges Bizet die 1500 Francs eines Förderpreises für geistliche Musik gewinnen. Den Preis gewann ein anderer. Um geistliche Musik kümmerte er sich fortan nicht mehr. Das Werk wurde erst 1971 von der Berliner Sing-Akademie uraufgeführt. Aus der Schar des Knabenchors traten zwei Solisten heraus, Roman Meier-Wagner und Anton Schmitz, um das „Tu ergo quaemsumus“ vorzutragen, eine schöne Geste, denn eigentlich ist dieser Satz für ein Sopransolo komponiert. Dafür bekamen die beiden hinterher den herzlichsten Beifall von allen, die sich vor dem Publikum im vollbesetzten Dom verneigten.