Richard Wagner/Hermann Behn: Parsifal, Arrangement für zwei Klaviere: Christiane Behn, Emiliano Ramniceanu; musicaphon (2025)
In der Zeit vor den Tonträgern hörte man Musik live. Und wenn es keine Aufführung des „Parsifal“ gab, dann vielleicht als Bearbeitung für zwei Klaviere, wie sie ein gewisser Hermann Behn 1915 bei Breitkopf publizierte. Zunächst als Jurist ausgebildet, verlegte er sich später ganz auf die Musik, pilgerte nach Bayreuth, führte Mahler in die Hamburger Musikszene ein und war auch Schüler von Bruckner. Von Wagners Musik hat er fünfzig Arrangements geschaffen. Dabei ging es ihm nicht wie Liszt um ein freies Phantasieren über die Vorlage, sondern um eine möglichst genaue Übertragung auf die Klaviere, inkl. der Gesangsstimmen. Wenn man den echten „Parsifal“ im Ohr hat, kann man z. B. in der Szene von Klingsors Schloss am Beginn des 2. Aufzugs die Nähe zum Original erahnen. Das volle Orchester klingt dann in den vollgriffigen Akkorden, und die perlenden Figurationen imitieren die Blumenmädchen. Das Ganze ist eine Art Stilübung ohne praktischen Wert für heute, denn wo tummeln sich schon zwei versierten Pianisten, um Wagner zu imitieren, wenn es sich nicht um Hermann Behns Urgroßnichte Christiane Behn und ihren ehemaligen Schüler Emiliano Ramniceanu handelt. Die Qualität des Arrangements erreicht aber nicht das Niveau z. B. von Glenn Gould in dessen die Orchesterpolyphonie virtuos abbildenden „Meistersinger“-Ouvertüre. Verdienstvoll ist das Projekt trotzdem, weil es ein Schlaglicht auf einen interessanten Aspekt der Musikpraxis im frühen 20. Jahrhundert wirft, zu einer Zeit, als es zwar schon Phonographen gab, diese aber wahrscheinlich keinen Wagner-Genuss vermitteln konnten.
Richard Lorber
Musik: ***
Klang: ***