Andrés Orozco-Estrada, Kay Voges, Hanna Koller, Stefan Charles, Hein Mulders, Andrea Blome bei der Pressekonferenz zur Wiedereröffnung im Foyer der Kölner Oper, Bildrechte: Teresa Rothwangl

26.03.2026 – Die Spielzeit 2026/27 der Oper Köln im wiedereröffneten Riphan-Bau

Das Opernhaus am Offenbachplatz wird am 27. September eröffnet, nicht mit „Die Meistersinger von Nürnberg“, der letzten Vorstellung vor der Schließung am 5. Juni 2012, nicht mit Bernd Alois Zimmermanns „Soldaten“ (hier uraufgeführt 1965) und auch nicht mit „Hoffmanns Erzählungen“ des Lokalmatadors Jacques Offenbach. Offenbachs „Phantastischer Oper“ kommt am 28. November in einer Inszenierung von Stefan Herheim heraus, die 2015 bei den Bregenzer Festspielen zu sehen und damals schon als Coproduktion mit Köln vorgesehen war, wozu es aus bekannten Gründen nicht gekommen wird. Das Opernhaus wird mit „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss eröffnet.

Am Pult Kölns GMD Andrés Orozco-Estrada, für ihn selbst ein Debütstück. Nach seinen Kölner Erfolgen mit „Manon Lescaut“ und „Le nozze di Figaro“ in der laufenden Spielzeit darf man gespannt sein, ob er bei Strauss‘ Retrostück eine ähnliche klangliche Brillanz und Transparenz herstellen kann. Die Akustik im neuen alten Opernhaus, so Orozco-Estrada, sei sehr vielversprechend. Das hätten die bisherigen Tests ergeben. In den Presseunterlagen wird davon gesprochen, dass die Akustik „grundlegend verfeinert“ und der Orchestergraben vergrößert wurde. Regie führt Marie-Ève Signeyrole, die, so Intendant Hein Mulders, eine technisch aufwendige Inszenierung präsentieren werde, bei der filmische und theatralische Elemente ineinanderfließen werden.

Andrés Orozco-Estrada wird neben der Premiere von „Hoffmanns Erzählungen“ auch noch die Wiederaufnahme von „Così fan tutte“ dirigieren, eine Inszenierung von Tatjana Gürbaca, die schon 2012 seinerzeit im Palladium zu sehen war.

Insgesamt kommt Kölns GMD in der nächsten Spielzeit auf 25 Vorstellungen.

Als Übernahme aus seiner Zeit als Essener Opernintendant präsentiert Hein Mulder Alessandro ab 1. November 2026 Scarlattis Kurzoper „Kain und Abel“. Es handelt sich um eine Erfolgsproduktion des Regie-Altmeisters Dietrich Hilsdorf und des Barockexperten Rubén Dubrovsky, der das Stück auch in Köln dirigieren wird. Anders als in Essen werden in den Titelrollen aber keine Countertenöre auftreten, sondern die Kölner Ensemblemitglieder Adriana Bastidas-Gamboa und Alina König Rannenberg.

Als Coproduktion mit der Oper in Valencia gibt es anlässlich des 100. Geburtstags von Hans Werner Henze dessen Kammeroper „La piccola Cubana. In diesem Stück auf einen Text von Hans Magnus Enzensberger geht es um die Geschichte einer Varietésängerin vorrevolutionären Kuba. Das Stück wurde posthum 2022 an der Berliner Staatsoper uraufgeführt und wird in Köln in der neuen Kinderoper ab 24. Januar 2027 gezeigt. Regisseurin ist Cecilia Ligoria (in Köln bekannt durch „La Cenerentola“ und „Don Giovanni“), Dirigent ist der Neue Musik-Experte Jordi Francés. Parallel dazu läuft im Haupthaus das Divertissementchen zum 100. Geburtstag von Trude Herr, die, wie Hein Mulders durchblicken ließ, dort als fiktive Kölner Opernintendantin gezeigt wird.

Ein europäisch angelegtes Coproduktionsprojekt zwischen Köln, Brüssel, Lyon und Madrid ist Smetanas „Verkaufte Braut“ in deutscher Sprache. Regie führt der französische Regisseur Laurent Pelly, und an das Pult wird Tomáš Netopil zurückkehren. Premiere ist am 28. Februar 2027.

Ebenfalls als Coproduktion mit Venedigs Opernhaus „La Fenice“ und der Kölner Premiere am 2. Mai 2027 ist Verdis „Macbeth“ in der Regie von Damiano Micheletto geplant, die dort 2018 herauskam. In Köln war von ihm zuletzt Donizettis Oper „Liebestrank“ zu sehen, die er als Strandparty inszenierte. Es dirigiert Giuliano Carella, der im April und Mai in Köln die konzertanten Aufführungen von Verdis „Ernani“ leiten wird.

Der neue Kölner „Ring des Nibelungen“ in der Regie von Paul-Georg Dittrich wird am 4. April 2027 mit „Siegfried“ fortgesetzt. Die Handlung soll als „digitales Adventure Game“ stattfinden, bei dem die Akademie für Theater und Digitalität Dortmund Unterstützung leisten wird. Dirigiert wird „Siegfried“ von Felix Bender. Marc Albrecht, der „Das Rheingold“ und „Die Walküre“ musikalisch betreut hatte, stand aus „dispositionellen Gründen“, wie Hein Mulders sagte, nicht zur Verfügung. „Götterdämmerung“ folgt dann ins der Spielzeit 2027/28. Ein Dirigent steht noch nicht fest.

„Madama Butterfly“ kommt in einer Neuinszenierung von Sabine Hartmannshenn am 6.Juni 2027 heraus. Sie hat in Köln Händels „Rinaldo“ 2011 inszeniert und war auch bei Puccini „Il trittico“ im Musical Dome 2013 dabei. Dirigent ist Giulio Cilona, der hier zuletzt „Hänsel und Gretel“ leitete.

Eingeladen von Kölns Tanzkuratorin Hanna Koller kommt am 14. und 15.Juli 2027 Purcells „Dido and Aeneas“ in der seit 2005 weltweit gefeierten Produktion der Choreografin Sasha Waltz im Opernhaus zur Aufführung, bei der die Protagonisten zum Teil in einem riesigen Aquarium unter Wasser performen. Es spielt das Originalklang-Ensemble Akademie für Alter Musik Berlin.

Als Wiederaufnahmen kommen in der nächsten Spielzeit neben der schon erwähnten Così fan tutte noch Dietrich Hilsdorfs Deutung von „My Fair Lady“, Michael Hampes „Zauberflöte“-Inszenierung, Katharina Thalbachs Version von „Rigoletto“, von Nadja Loschkys „Rusalka“ und Ted Huffmanns  Inszenierung von Monteverdis L’incoronazione di Poppea“. Das sind immerhin sechs Wiederaufnahmen, statt vier wie noch im Staatenhaus. Kölns Oper nähert sich damit wieder einem echten Repertoirebetrieb an. So wird „My Fair Lady“ vom März bis Juli 2027 durchgehend gespielt, oder die „Zauberflöte“ vom Dezember bis März.

Zum Programm der Kinderoper in der neuen Spielstätte im Untergeschoss auf dem Gelände des Offenbachplatzes soll es eine eigene Programmvorstellung im Mai geben. Ankündigt wurde schon jetzt u. a. die Uraufführung einer Auftragskomposition des Kölner Komponisten Philipp Matthias Kaufmann und des Düsseldorfer Schriftstellers Martin Baltscheit. „Der König verschenkt etwas“, so der Titel, ist ein märchenartiges Stück über das Motiv der „Ringparabel“.