„Selemo“ an der Neuköllner Oper, Bildrechte Jan Windszus Photography

13.02.2026 – S’busiso Shozi/Nhlanhla Mahlangu „Selemo – eine Frühlingsoper“ an der Neuköllner Oper

Produzent der Frühlingsoper „Selemo“ ist „The Centre for the Less Good Idea“ in Johannesburg, das von Bronwyn Lace und William Kentridge gegründet wurde. Letzterer ist hierzulande durch zahlreiche Ausstellungen, Filme und auch durch seine Opern-Inszenierungen bekannt geworden. Die Idee hinter diesem Zentrum lautet, es lohne sich, auch die weniger guten Ideen weiterzuverfolgen. In welche Kategorie „Selemo“ gehört, sei dahingestellt. Von der Uraufführung im Rahmen des Berliner „Schall und Rausch“-Festivals in der Neuköllner Oper in Zusammenarbeit mit der Komischen Oper bleibt ein zwiespältiger Eindruck.

„Selemo“ heißt in der südafrikanischen Sprache „Sesotho“ so viel wie Frühling und Aufbruch. In diesem 70minüten Musiktheaterstück ging es um einen großen Assoziationsbogen zum Thema Frühling, das Meiste in afrikanischen Sprachen wie isiZulu, Seosotho, Tshivenda, aber auch ein bisschen Deutsch und Französisch sowie englischen Moderationstexten. Das Begriffsspektrum reichte von Ritual und Aufbruch, Blühen als Aufbegehren, Freiheit und Bindung bis hin zu dem Gedanken, dass Taktstöcke Grenzen markieren und Partituren Gesetze darstellen. Dazu hantieren die fünf Performerinnen und Performer mit langen Bambusstangen. Vorher setzen sie sich Körbe auf den Kopf und heulen wie Hunde. Es geht dann um Beschwörungsgesänge und die Anrufung der Natur um Fruchtbarkeit.

Klassische Musik wird immer wieder von dem fünfköpfigen auf der Hinterbühne postierten Kammerensemble beigesteuert, das in vielfältigen Variationen Vivaldis „La Primavera“ spielt und die Arie „Rossignols amoureux“ von M. Quignard, vorgetragen von der Sopranistin Alam Sadé, der einzigen nichtschwarzen Performerin. Ab und zu treten die Instrumentalisten auch nach vorne oder auf die Podeste, insbesondere die Geige, die dann selbst zu einer Art rituellem Objekt wird.

Der Gesänge und Tänze der südafrikanischen Darstellerinnen und Darsteller (drei Frauen und zwei Männer) muten kraftvoll und direkt an, so wie man sich weltmusikalische Originalklänge vorstellt, andererseits durch Popharmonien und gelegentliche Jazzanklänge auch so gemäßigt, dass der unbedarfte Zuschauer noch gut folgen kann, wenn auch nicht dem genauen Wortlaut. Die jeweiligen Grundaussagen der Lieder werden per Video eingeblendet wie „Wir brauchen einen mutigen Start, einen Neuaufbruch“ oder „Die Zeit schreit“, was man alles durchaus auch politisch verstehen kann.

Das Ganze aber als Oper zu bezeichnen, geht ein bisschen weit. Es gibt keine eigentliche Handlung oder dramatischen Konflikte. Theatralisch ist allein die Kombination aus spärlicher Bühne mit Holzpodesten, Tänzern, Sängern und Musikern in Kostümen und einer durchgehenden Musik, bei der man sich fragt, warum in der Klassiksektion eigentlich Strawinskys „Le sacre du printemps“ gefehlt hat, das in den ganzen Zusammenhang sicher besser gepasst hätte als der harmlose Vivaldi. Aber vielleicht ging es gerade um solche Gegensätze.

Uraufführung: 12.02.2026, noch bis zum 28.02.2026

Besetzung:
Performerinnen und Performer: Hlengiwe Lushaba Madlala, Tshegofatso Khunwane, Gregory „Kekelingo” Mabusela, Vhahangwele Moopo, Pertunia Msani und Alma Saé
Musikerinnen und Musiker: Deniz Tahberer, Julia Lindner de Azevedo Conte, Magdalena Bogner, Arnulf Ballhorn und Tuyêt Pham

Ko-Komponist, Musikalische Leitung: S’busiso Shozi
Ko-Komponist, Regie:  Nhlanhla Mah­lan­gu
Musikalischer Mentor: Neo Muyanga
Produktion: Bronwyn Lace
Bühne und Kostüme: Nthabiseng Malaka
Lichtdesign: Michael Ingli
Vidual Artist: Marcus Neustetter
Text: Stacey Hardy
Dramaturgie: Sophie Jira, Dennis Depta