Kirnberger: Sinfonien; Berliner Barock Solisten, Reinhard Goebel (2025); hänssler Classic
Johann Philipp Kirnberger war zeitlebens stolz darauf, Schüler von Johann Sebastian Bach gewesen zu sein. Das trug ihm am Berliner Hof, wo er Lehrer von Anna Amalie war, der jüngsten Schwester von Friedrich dem Großen, den Ruf einer gewissen Schrulligkeit ein. Die Musik von Bach war zu dieser Zeit nicht mehr en vogue.
Immerhin war Kirnberger derjenige, der mit seinem Buch „Die Kunst des reinen Satzes in der Musik“ Bachs Kompositionslehre aufschrieb, da es von Bach selbst ja keine theoretischen Zeugnisse gibt. Außerdem entwickelte er ein temperiertes Stimmungssystem, das auch heute noch in der Alten- Musik-Szene im Gebrauch ist.
Seine acht erhaltenen Sinfonien sind stilistisch aber denkbar weit von Bach entfernt, etwa von seinen Brandenburgischen Konzerten, die Kirnberger gut kannte, war er doch im Besitz von Bachs Autograph. Von Polyphonie und thematischer Arbeit keine Spur, auch nicht von dynamischen Extravaganzen wie in der Vorklassik der Mannheimer Schule. Es ist eine gefällige Musik, und seine zumeist dreisätzigen Sinfonien dauern nie länger als 10 Minuten. Fast ist man ein bisschen enttäuscht angesichts dieser Simplizität.
Reinhard Goebel und die Berliner Barock Solisten, ein Ableger der Berliner Philharmoniker, spielen klangschön und mit eleganten Phrasierungen. Nichts mehr von eruptiven Stil, der Goebels Musica Antiqua Köln in vor einem Vierteljahrhundert auszeichnete.
Richard Lorber
Musik: ***
Klang: ****