Heggie: Intelligence; Janai Brugger, Jamie Barton, J’Nai Bridges, Caitlin Lynch, Michael Mayes, Nicholas Newton, Joshua Blue, Houston Grand Opera Orchestra, Kwamé Ryan (2023); Houston Grand Opera
„Dead Man Walking“ ist Jake Heggies Erfolgsoper, die auf der ganzen Welt gespielt wird. Dort geht es um einen Mörder in einer Todeszelle. Mit „Intelligence“ greifen Heggie und sein Librettist Gene Scheer erneut ein amerikanisches Sujet auf. Die 2023 in Houston uraufgeführte Oper spielt während des Bürgerkriegs in Richmond, der Hauptstadt der Konföderierten. Dort hat Elizabeth einen Spionagering gegründet, zu dem auch die versklavte Mary Jane gehört, die im Präsidentenpalast der Südstaaten Informationen beschafft. Die Geschichte ist real, wird in der Oper dann zu einem Drama der beiden Frauen weiterentwickelt. Am Ende stellt sich heraus, dass sie Halbschwestern sind und Mary Janes Mutter Lucinda nicht etwa bei ihrer Geburt starb, sondern bei einem Gewaltakt auf einer Sklavenauktion. Lucinda taucht in der Oper als Alter Ego von Mary Jane auf, musikalisch intelligent markiert dadurch, dass der Gesang der beiden Frauen immer wieder mit Gospelanklängen durchsetzt ist oder ganz im Stil einer großen Oper, dass die geisterhafte Lucinda mit Mary Jane ein Ballett der Ahnen erlebt.
Heggies Tonsprache ist vielfältig und opulent: man hört ein Puccini-artige Emphasen, wenn Mary Jane sich von Elizabeth lossagt, ein intimes a cappella Duett zwischen Elizabeth und ihrer Schwägerin Callie oder ein ganz ungewöhnliches Opernfinale, das aus einem ausgedehnten Paukensolo besteht.
Die bei der Uraufführung entstandene Live-Aufnahme klingt exzellent und die von Kwamé Ryan angeführten Solisten, allen voran Janai Brugger als Mary Jane und Jamie Barton als Elizabeth haben internationales Niveau.
Richard Lorber
Musik: *****
Klang: **** -*****