Telemann: Sieg der Schönheit; Lydia Teuscher, Sunhae Im, Anna Willerding, Marko Pantelić, Dominik Köninger, Terry Wey u.a., Akademie für Alte Musik Berlin, Michael Hofstetter (2024); cpo
Die Oper spielt in der Zeit, als die Vandalen unter König Geiserich im Jahr 455 in Rom einfielen. Von daher stammt der Begriff Vandalismus, nur hat er nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Der Vandalenkönig, der in der Oper Gensericus heißt, wollte vielmehr seine Herrschaft durch eine kluge Heiratspolitik absichern. Davon handelt Telemanns Oper, die 1722 in Hamburg uraufgeführt wurde und später auch in Braunschweig gespielt wurde. Nur von dieser Aufführungsserie sind die Noten erhalten. „Sieg der Schönheit“ heißt die Oper, weil die Frauen das Heft des Handelns in den Händen halten: Die römische Kaiserwitwe Euxonia, die am Ende in die Heirat mit dem Vandalenfürst einwilligt, sowie deren Töchter Pulcheria und Placidia, die ebenfalls bekommen, wen sie wollen.
Telemanns zu seiner Zeit sehr erfolgreiche Oper besticht auch heute noch durch die überaus farbige und abwechslungsreiche Anlage. Es gibt so viele Duette wie in wohl keiner anderen Barockoper, darunter z. B. das bäuerlich tänzerische Liebeslied „Brünstige Triebe, reinester Liebe“ von Placidia und Olybrius. Kecke Blockflötentöne kommentieren hier die denkbar weit auseinanderliegenden Stimmcharaktere der Soubrette Sunhae Im und des dunklen Baritons Marko Pantelić. Des Weiteren gibt es Arien mit obligaten Hörnern, Oboen, Fagott, Traverso und natürlich Violine, das ganze Arsenal eines Barockorchesters.
In der am Theater Magdeburg im Zusammenhang mit den dortigen Telemann Festtagen 2024 entstandene Aufnahme hört man die Akademie für Alte Musik Berlin unter Michael Hofstetter klanglich und musikalisch so brillant, dass selbst das etwas sperrige Libretto mit seinen barocken Redewendungen im besten Gewand erklingt.
Richard Lorber
Musik: **** – *****
Klang: ****