Divertissementchen 2026 - Köln 1930: Eröffnung der Ford-Werke in Köln © Stefanie Althoff

19.01.2026 – E Levve för Kölle. Divertissementchen zum 150. Geburtstag von Konrad Adenauer

150 Jahre Konrad Adenauer sind eine Steilvorlage für das diesjährige Divertissementchen, das zum letzten Mal im Staatenhaus stattfindet, hoffentlich! In dieser Revue des Kölner Männer-Gesang-Vereins gab es jede Menge Weisheiten, Melodien und Kostüme fürs Kölsche Gemüt und zugleich eine liebevolle Adenauer-Verehrung, geschrieben von Jürgen Nimptsch, dem langjährigen Baas des Divertissementchen (bzw. der Cäcilia Wolkenburg), der auch den Adenauer im Himmel spielt. „Klüngel ist das Ausräumen von Schwierigkeiten im Vorfeld von Entscheidungen“, solche und andere Sprüche wurden zu Hauf präsentiert neben Adenauers Erfindungen wie die Sojawurst oder eine Klopf-Harke als Gartengerät.

Der Plot: Adenauer bewohnt im Himmel das Bundeskanzlerzimmer. Sein Wohnrecht dort läuft nach 50 Jahren aus. Mit Hilfe von Engeln wird nach Möglichkeiten gesucht, Ludwig Erhard davon abzuhalten ihn dort zu vertreiben. Dabei wird ausführlich an seine Verdienste auf der Erde als Kölner Oberbürgermeister erinnert: Deutzer Brücke, Mülheimer Brücke, Universität, Grüngürtel, Flughafen Butzweiler Hof. Die Kanzlerschaft kommt dabei etwas zu kurz, bis auf die Aussöhnung mit Frankreich, zelebriert auf die Melodie von „Aux Champs-Elysées“: „Frankreich dort, Deutschland hier, Europa ist uns eine Zier“. Am Ende kann er mit Hilfe der Heiligen Drei Könige bleiben, denn: Kölsche Junge ston zesamme.

Überhaupt wurde an politischen Botschaften nicht gespart. Im Quartett der engagierten Frauen hört man: „Unsere Demokratie ist in Gefahr. Geht wählen“. Dieses Lied ist inspiriert von Auguste (Gussie), der zweiten Frau von Adenauer, die sich in den Zwanzigerjahren in der Frauenbewegung in Köln engagierte. Bis hin zur aktuellen Lokalpolitik. So hat man angeblich schon 1927 und nicht erst vor wenigen Tagen darüber gestritten, ob die Mülheimer Brücke zwei- oder vierspurig befahrbar sein sollte, vor allem aber darüber – und das tatsächlich – ob es eine massive Bogenbrücke oder eine schlanke Hängebrücke werden soll mit Tragseilen von Felten & Guilleaume. Im Divertissementchen war das Streit-Ensemble „Jo, en Hängebröck, nä, kein Hängebröck“ einer der musikalischen Höhepunkte, so wie das Ostermann-Potpourri, mit dem sich die Kölner gegen preußische Dominanz wehrten. In den brillanten Arrangements von Thomas Guthoff ging es von Mozart über Millowitsch bis zu Miljö, die vom Kölner Männer-Gesang-Verein (unter Begleitung der Bergischen Symphoniker und der Combo Westwood Slickers) mit Inbrunst und auf quasi professionellem Niveau zelebriert wurden. Darin liegt ja gerade der Reiz. Man spürt immer noch diesen Gesangsvereins-Gestus, aber so veredelt und perfekt geprobt, dass es wie in einem Broadway-Musical Schlag auf Schlag geht, wozu die anspielungsreichen neuen kölschen Liedtexte von Johannes Fromm und Manfred Schreier vielleicht das Meiste beitragen.

Das Liebevolle, das zum Schmunzeln, auch zum Bewundern der Kostüme und Maske Reizende liegt vor allem auch in den Travestie-Nummern. Da tritt eine entzückende Marilyn Monroe (Sven Patschkowski) auf und singt mit Counterstimme ihr hier auf Adenauer gemünztes Geburtstagsständchen. Da sieht man eine putzige englische Queen, die beiden Ehefrauen Adenauers, von denen die erste, Emma (Christopher Wallraff)) einen urkomischen Hochzeitswalzer hinlegt, geführt von Dirk Pütz, der den jungen, feinsinnigen Adenauer auf der Erde gibt.

Und ganz besonders anrührend wieder das Ballett mit der sorgfältig einstudierten Gartenzwerg-Choreografie, dem Tanz der Ford-Arbeiter vor ein originalen Modell A aus dem Jahr 1930, und der Schlussnummer, in der die Herren im Tutu mit Krönchen auftreten und wirklich klassisches Ballett geben.

Das Ganze spielte in opulenter Bühnenausstattung mit Schiebekulissen, die mal Adenauer im Himmel, mal im Köln der Zwanzigerjahre zeigen, und mit aufwendig geschneiderten Kostümen (Judith Peter) für jeden der über 100 Mitwirkenden. Nach drei Stunden jubeln die Menschen im Publikum, für die das Divertissementchen wohl wieder so etwas wie den Dreh- und Angelpunkt der Session darstellt.

Premiere: 18.01.2026, noch 23 weitere Vorstellungen bis zum 17.02.2026 (Karnevalsdienstag)

Besetzung:
Bühnenspielgemeinschaft Cäcilia Wolkenburg im Kölner Männer-Gesang-Verein
Bergische Symphoniker
Westwood Slickers

Regie: Lajos Wenzel
Buch: Jürgen Nimptsch
Liedtexte: Johannes Fromm, Jürgen Nimptsch, Manfred Schreier
Musik & Arrangements: Thomas Guthoff
Musikalische Leitung: Philip van Buren, Benedict Nagel, Bernhard Steiner
Choreographie: Katrin Bachmann, Jens Hermes
Kostüme: Judith Peter
Bühnenbild: Tom Grasshof
Lichtdesign: Andreas Grüter
Sound-Design: Thomas Wegner
Gesamtleitung: Simon Wendring