Maria Stuarda von Donizetti in der Regie von Ulrich Rasche, Bildrechte: SF / Monika Rittershaus

Donizetti, „Maria Stuarda“ bei den Salzburger Festspielen 2025

„Maria Stuarda“ von Donizetti ist kein Geschichtsdrama. Die Handlung kennt, anders als bei Schiller, der Vorlage für diese Oper, keine Nebenstränge. Bei Donizetti agieren fast ausschließlich die beiden Königinnen Maria und Elisabeth. Beide sind emotional dem Grafen Leicester verbunden. Dabei ist Talbot ein Vertrauter Maris und Cecil einer von Elisabeth. Die Handlung steuert auf den Fluch-Ausruf Marias zu, Elisabeth sei ein Bastardin. Der lange dritte Aufzug ist dann ein Abgesang bis zur Hinrichtung Marias. Diese Konstellation hat viel von einer griechischen Tragödie. Und bei den Salzburger Festspielen hat der Regisseur Ulrich Rasche ein Theater geschaffen, das diese Tragödiensituation vor Augen führt.

Man sieht zwei großen Scheiben und eine dritte als Lichtquelle. Auf einer der Scheiben agiert Elisabeth im hochgeschlossenen schwarzen Kleid, fest gebundenem Haar und ihr Gefolge, später auf einer anderen in weiß Maria. Diese Scheiben rotieren und bewegen sich auch im Raum, so dass alle Darsteller in permanenter schreitender Bewegung sind. Elisabeth dabei nach vorne gebeugt wie unter eine schweren emotionalen Last, denn sie muss erkennen, dass Leicester nur Maria liebt. Die beiden sieht man als einzige in einer zärtlichen Zuneigung. Das ständige Schreiten der Protagonisten und eines Bewegungschors aus Männern in einer dauernden Körperspannung erzeugt eine Art von Vibration und Dringlichkeit. Es wirkt wie ein lebendiges, ausdruckshaftes Bühnenbild, besonders eindringlich am Schluss bei der Hinrichtung, als diese Männer im Lendenschurz zusammensacken und ihre nun schlaffen Gliedmaßen den Bühnenboden berühren.

In dieser pulsierenden Statuarik bewegen sich die Menschen auf der Bühne nicht auf eine natürliche, sondern in einer künstlichen oder kunstvollen Weise; trotzdem vermittelt sich das Seelenleben der Protagonisten mehr als, wenn der Regisseur eine realistische Situation geschaffen hätte.

Und diese Art der Bühnenpräsenz bietet vor allem die Plattform für großartige musikalische Darstellungen, allen voran bei Lisette Oropesa als Maria. Sie verfügt über ein sehr klares Timbre, ist in der Lage alle Feinheiten des Belcanto zu nutzen, etwa die feinen Triller, wenn sie ihre Jugend in Frankreich besingt, aber auch ihrer Stimme eine drohend dunkle Farbe zu verleihen bei der Schmähung von Elisabeth. Sie verkörpert die Titelrolle in einer perfekten Weise, wie es vor ihr wahrscheinlich nur Edita Gruberova gegeben war.

Auch Kate Lindsey in der Rolle des Elisabeth war in der Lage, die Gebrochenheit der Figur, ihre Gewissensbisse und Empörungen, in einen Gesangsfluss zu kleiden, mit einer fast schauspielerisch klaren Artikulation, andererseits durch einen glutvollen, körperreichen Klang ohne jemals, das was die Virtuosität des Belcanto verlangt, vermissen zu lassen.

Bekhzod Davronov als Leicester hatte seinen gesanglichen Höhepunkt bei “Era d’amor l’immagine“ als Elisabeth seine Liebe zu Maria gesteht, mit einer emotionalen Intensität, die sich allein durch Feinheit und Beweglichkeit seiner lyrischen Stimme ausdrückt.

Auch die anderen Rollen Aleksei Kulagin als Talbot, Thomas Lehman als Cecil und Nino Gotoshia als Anna sind in dieser Produktion hochkarätig besetzt. Der Chor agierte zuverlässig immer aus dem Off, so das vorne Platz für die Bewegungen und Rotationen der Scheiben bleibt, während bei den Wiener Philharmonikern unter Antonello Manacorda n diesem Abend so mancher Wackler zu hören war.

Besuchte Vorstellung: 07.08.2025, Premiere: 01.08.2025, noch bis zum 30.08.2025

 

Besetzung:
Elisabetta: Kate Lindsey
Maria Stuarda: Lisette Oropesa
Roberto, Graf Leicester: Bekhzod Davronov
Giorgio Talbot: Aleksei Kulagin
Lord Guglielmo Cecil: Thomas Lehman
Anna Kennedy: Nino Gotoshia
Tänzer und Tänzerinnen der SEAD Salzburg Experimental Academy of Dance

Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
Wiener Philharmoniker

Musikalische Leitung: Antonello Manacorda
Regie und Bühne: Ulrich Rasche
Kostüme: Sara Schwartz
Video: Florian Hetz
Licht: Marco Giusti
Choreografie: Paul Blackman
Dramaturgie: Yvonne Gebauer
Choreinstudierung: Alan Woodbridge