Tomasz Konieczny als Wotan, Bildrechte: Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Richard Wagner, „Das Rheingold“ bei den Bayreuther Festspielen

Der Lichtblick der Aufführung von „Das Rheingold“ bei den Bayreuther Festspielen war der Auftritt von Erda. „Ein düst’rer Tag dämmert den Göttern“ sang Anna Kissjudit mit durchdringender und prägnanter Artikulation auf einer klaren Gesangslinie. Ein kurzer Moment nur in einem Meer von gaumig, dröhnenden Silben Wotans, verkörpert von Tomasz Konieczny und einer nicht nachlassenden bellenden Ausdrucksweise von seinem Gegenspieler Alberich durch Olafur Sigurdarson. Und selbst der eigentlich schlackenlose Tenor von Daniel Behle wirkte als Loge an diesem Abend merkwürdig angestrengt, so dass aus der Partie immer nur einzelne Spitzentöne herausragten, anstatt der gewitzte schnelle Redefluss, der diese Partie auszeichnet.

Wenn man bei den drei Hauptpartien über den ganzen Abend hinweg mit solchen Einschränkungen im musikalischen Vortrag konfrontiert wird, fällt es auch schwer, Olaf Sigurdarsons durchaus vorhandene Impulsivität zu würdigen oder Koniecznys schier endlose Kraftreserven. Dann waren da noch die Riesen Fasolt und Fafner, die in dem von Wagner angelegten Rollenprofil eigentlich so etwas wie bemitleidenswerte Underdogs darstellen. Hier waren Patrick Zielke und Tobias Kehrer aber fast so etwas wie der Mittelpunkt, deren Auftritte man sich herbeiwünschte, weil sie so sangen, dass man ihnen gerne zuhörte.

Die Dirigentin Simone Young hatte auch nicht die Mittel parat, diese Aufführung wenigstens zu einem Orchesterereignis zu machen. Die Verwandlungsmusiken beim Abstieg nach Nibelheim und beim späteren Wiederaufstieg klangen verwaschen und wenig zielgerichtet, beim fernen Ruf der Rheintöchter am Ende hörte man verhaltenes Harfengezirpe und Blubbern aus dem verdeckten Graben, und die Walhall-Musik klang so klein und unbedeutend, wie das pyramidenartige Modell der Götterburg auf der Szene aussah.

Wahrscheinlich wurde die musikalische Wahrnehmung zusätzlich negativ überlagert durch die verquaste Dramaturgie des Regisseurs Valentin Schwarz, der das von Alberich geraubte Rheingold in eine Kindesentführung umdeutete, so dass ein Junge im goldgelbfarbenen T-Shirt als Beute immer weitergereicht wird. Das wirkt schon als dramaturgische Skizze merkwürdig konstruiert und erwies sich auf der Bühne vollends unplausibel. So waren auch im vierten und letzten Jahr dieser Inszenierung von „Der Ring des Nibelungen“ die Aussichten auf die kommenden drei Abende wenig verheißungsvoll.

Besuchte Aufführung: 26.07.2025, auch am 15.08.2025

Besetzung:
Wotan: Tomasz Konieczny
Donner: Nicholas Brownlee
Froh: Mirko Roschkowski
Loge: Daniel Behle
Fricka: Christa Mayer
Freia: Christina Nilsson
Erda: Anna Kissjudit
Alberich: Olafur Sigurdarson
Mime: Ya-Chung Huang
Fasolt: Patrick Zielke
Fafner: Tobias Kehrer
Woglinde: Katharina Konradi
Wellgunde: Natalia Skrycka
Floßhilde: Marie Henriette Reinhold

Orchester der Bayreuther Festspiele

Musikalische Leitung: Simone Young
Regie: Valentin Schwarz
Bühne: Andrea Cozzi
Kostüm: Andy Besuch
Dramaturgie: Konrad Kuhn
Licht: Reinhard Traub, Nicol Hungsberg
Video: Luis August Krawen