
Vivaldi: Arsilda; Benedetta Mazzucato, Nicolò Balduci, Leonardo Cortellazzi, José Coca Loza u. a., La Cetra Barockorchester & Vokalensemble Basel, Andrea Marcon (2024); naïve
Barzane hat es auf Arsilda abgesehen. Seine Verlobte Lisea will das verhindern. Deswegen verkleidet sie sich als ihr Bruder Tamese, um mit Arsilda eine Schein-Hochzeit einzugehen. Weil Barzane ein mächtiger König ist, droht er Arsilda sexuell gefügig zu machen. Das drückt er in der überschwänglichen Arie “Sempre piacer goder“ aus. Barzane wurde bei der Uraufführung der Oper „Arsilda“ in Venedig 1716 von einem Soprankastraten verkörpert. Hier schlüpft der phänomenale Sopran-Countertenor Nicolò Balducci in dieser Rolle. Mit seiner kraftvollen, beweglichen Stimme kann er die anspruchsvolle Partie ideal für unsere Zeit verkörpern.
Das Handlungsgerüst macht „Arsilda“ weniger zu einer opera seria über einen antiken Stoff, als vielmehr zu einem Verwechslungs- und Verkleidungsstück, fast schon zu einer komische Oper, möglicherweise der Grund für den Erfolg bei der Uraufführung.
Die Aufnahme unter Andrea Marcon, erschienen in der großangelegten Vivaldi-Gesamtedition von naïve, ist in allen Rollen mustergültig besetzt, etwa mit Benedetta Mazzucato in der Titelrolle und ihrem schönen Mezzo-Timbre, dem Bassisten José Coca Loza als Cisardo und seiner stupenden Koloratur-Virtuosität oder Leonardo Cortellazzi als Tamese, der seinen lyrischen Tenor in „La mia gloria“ in bewegten Melodien strahlen lässt, zu denen das Continuo den Sänger und die Streicher in ein klangliches Blütenmeer bettet. Es sind auch solche Nuancen im Orchester, mit der der Vivaldi-Spezialist Marcon diese Oper zu einem musikalischen Fest macht.
Richard Lorber
Musik: *****
Klang: *****